Lästiges Absitzen

In den letzten Jahren ist soviel zerbrochen in mir. Gestern lag ich wach bis zum frühen Morgen und rief mir den jungen Mann in Erinnerung, der ich vor fünf Jahren noch war: der sich allein in den Zug gesetzt hat, nach Umbrien, nach Rom, der neugierig war auf die Welt, auf die fremden Gesichter, der sich in München von einem Sandler die Lebensgeschichte hat erzählen lassen, dem das Leben noch als etwas vorkam, dass bewältigbar sei, das an einem arbeitete und dass dann irgendwann in weiter Ferne aus den Schlacken der Erfahrung die geläuterte Seele wie ein reiner Diamant hervorsteige… ich versuche den Punkt auszumachen, wo das gekippt ist, wo ich nicht mehr die Chancen in der Zukunft gesehen habe, sondern nur mehr ihre Gefahren und ihre unvermeidlichen Demütigungen… Wahrscheinlich sehne ich mich nach einem Ideal, nach einer Aufgabe, nach einer Bestimmung… denn ohne dieses Ideal ist das Leben nur ein Warten auf den Tod, ein lästiges Absitzen, unterbrochen durch die Mitnahme kurzfristiger Freuden bis dann zuletzt das Schiff gebrochen in den Hafen einläuft…

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